Schlafregression oder: Warum plötzlich niemand mehr schläft (und wie wir das überlebt haben)

Schlafregression oder: Warum plötzlich niemand mehr schläft (und wie wir das überlebt haben)


Ich erinnere mich noch an diese eine Nacht, in der ich um halb vier Uhr morgens auf dem Wohnzimmerteppich saß, mein Baby auf dem Arm, und dachte: Ich kann einfach nicht mehr.

Bis vor Kurzem hatte es so gut geschlafen und dann, ganz plötzlich, war alles anders.

Wachphasen im Stundentakt, endloses Wiegen, Weinen, Tragen. Ich war müde, überfordert und ehrlich gesagt: ein bisschen verzweifelt.

Damals wusste ich noch nicht, dass das, was wir da erlebten, einen Namen hat: Schlafregression.

Heute, Jahre später, weiß ich nicht nur, was da passiert ist, sondern begleite als Babyschlafcoach genau die Eltern, die jetzt an demselben Punkt stehen, an dem ich damals war.


Wenn Schlaf plötzlich wieder ein Problem wird

Schlafregression klingt erstmal nach Rückschritt, nach „es läuft rückwärts“.

Aber eigentlich passiert genau das Gegenteil: Das Kind macht einen großen Sprung nach vorn und der Schlaf kommt dabei einfach ein bisschen aus dem Gleichgewicht.

Babys und Kleinkinder schlafen anders als wir. Ihre Schlafzyklen sind viel kürzer, und bei jeder neuen Entwicklungsphase, ob motorisch, sprachlich oder emotional, arbeitet das Gehirn auf Hochtouren.

Das führt dazu, dass der Schlaf unruhiger wird, das Einschlafen schwerfällt oder plötzlich wieder Nähe gebraucht wird.

Laut der National Sleep Foundation verändern sich die Schlafmuster besonders stark rund um den 4., 8., 12. und 18. Monat.

Diese Zeiträume sind die „Klassiker“, in denen Eltern plötzlich wieder im Minutentakt aus dem Bett springen.


Unsere härteste Phase und was ich daraus gelernt habe

Die 4-Monats-Schlafregression hat mich damals ehrlich erwischt.

Ich war völlig sicher, wir hätten unser Baby „auf Kurs“: Abendritual, Stillen, schlafen.

Und dann, zack, war alles vorbei.

Ich erinnere mich, dass ich in jener Zeit fast täglich Tränen in den Augen hatte.

Vor Müdigkeit, aber auch vor Unsicherheit.

Alle sagten: „Das ist nur eine Phase.“

Und obwohl sie recht hatten, hat mich dieser Satz nachts um drei Uhr kein Stück getröstet.

Heute weiß ich: Diese Phasen sind ein ganz normales Zeichen von Entwicklung.

Das Gehirn sortiert sich neu, die Welt wird größer und Babys brauchen einfach mehr Nähe und Sicherheit, um das alles zu verarbeiten.


Als Babyschlafcoach sehe ich heute, was ich damals gebraucht hätte

Heute, als Schlafcoach, blicke ich auf diese Zeit mit ganz anderen Augen.

Ich sehe die Mamas (und Papas), die mich anschreiben mit dunklen Augenringen, einem Baby auf dem Arm und dieser einen großen Frage:

„Warum schläft mein Kind plötzlich nicht mehr?“

Ich weiß genau, wie sich das anfühlt.

Und genau deshalb ist mein Ansatz heute kein „Trainingsprogramm“, sondern echte Begleitung.

Ich erkläre Eltern, was im kleinen Körper passiert aber auch, wie sie selbst in dieser Zeit Kraft tanken können.

Denn es bringt nichts, nur auf das Kind zu schauen. Schlafregression betrifft immer die ganze Familie.


Was wirklich hilft (und was man ruhig vergessen darf)

Ich habe damals alles ausprobiert, was das Internet hergab, vom „sanften Einschlafen“ bis zu Tipps wie „einfach aushalten“.

Spoiler: Die meisten Dinge haben mich nur noch mehr verunsichert.

Heute rate ich Eltern zu weniger Aktionismus und mehr Vertrauen.

Hier sind ein paar Dinge, die mir damals als Mama und heute in meiner Arbeit wirklich wichtig sind:


1. Rituale beibehalten, aber flexibel bleiben.

Ein ruhiges, wiederkehrendes Abendritual hilft Kindern, runterzufahren. Aber wenn das Baby plötzlich Nähe braucht, ist das keine Niederlage. Es ist ein Bedürfnis.


2. Den Tag im Blick behalten.

Übermüdung ist oft der Grund, warum Babys nachts schlechter schlafen. Ein ausgewogener Tagesrhythmus hilft, das zu verhindern.


3. Nähe ist kein Rückschritt.

Viele Eltern glauben, dass zu viel Tragen oder Kuscheln „schlechte Angewohnheiten“ schafft. Das Gegenteil ist der Fall: Nähe beruhigt das Nervensystem, das des Kindes und das der Eltern.


4. Hilfe annehmen.

Ich weiß, das fällt schwer. Aber Schlafmangel ist kein kleiner Stress. Er verändert unser Denken, Fühlen, Reagieren.

Wenn du jemanden hast, der dich ablösen kann, nimm das Geschenk an.


5. Und bitte: Nicht vergleichen.

Es gibt kein Baby, das „zu schlecht“ schläft. Es gibt nur unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichen Rhythmen.


Ich erkläre meinen Familien oft, dass Schlafregression keine Störung ist.

Das ist pure Entwicklung.

Babys schlafen in Phasen motorischer Entwicklung (z. B. wenn sie anfangen zu krabbeln oder zu stehen) deutlich unruhiger, weil das Gehirn die neuen Bewegungen auch im Schlaf verarbeitet.

Man könnte also sagen:

Wenn dein Baby plötzlich wieder öfter wach ist, dann hat es gerade richtig viel zu tun im Kopf und im Körper.


Wenn du gerade mitten drin bist

Wenn du diesen Text liest, während du mit einem Baby auf dem Arm durchs dunkle Zimmer läufst: Ich sehe dich.

Ich war du.

Ich weiß, wie schwer es ist, ruhig zu bleiben, wenn der Schlaf fehlt.

Wie sehr man zweifelt, ob man alles richtig macht.

Aber du machst das gut.

Dein Kind ist nicht „kaputt“. Es wächst. Es entwickelt sich. Und es braucht dich einfach ein bisschen mehr.

Irgendwann, und das verspreche ich dir, wirst du morgens aufwachen und merken:

Es hat sich verändert. Es wird leichter.

Und du wirst zurückblicken und denken:

Wow. Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe, aber ich hab’s geschafft.


Ehrliche Worte von Mama zu Mama

Schlafregressionen sind keine Katastrophe, auch wenn sie sich so anfühlen.

Sie sind Wachstum. Und Wachstum ist anstrengend für alle Beteiligten.

Als Mama habe ich gelernt, dass diese Phasen enden.

Als Babyschlafcoach weiß ich heute, dass Wissen, Verständnis und liebevolle Begleitung sie viel erträglicher machen können.

Wenn du also gerade mitten in dieser müden, tränenreichen, kaffeegeladenen Zeit steckst:

Halte durch. Sei sanft mit dir.

Und wenn du Unterstützung brauchst, hol sie dir.


Du bist nicht allein. Und du machst das großartig.

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